08 Dez

5 Gründe für Schreibblockaden

Eine Schreibblockade ist der Horror jedes Menschen, der Texte produzieren muss. Hart trifft es auch uns Studenten: Wir sollen Seminararbeiten, Essays, Abschlussarbeiten, vielleicht noch Berichte oder Protokolle schreiben. Und dann ist da eine riesige Hürde, die unüberwindbar scheint. Ich habe oft mit Kommilitonen gesprochen, bei denen nach ein paar Jahren fleißigen Schreibens plötzlich gar nichts mehr ging. Und ich bin selbst einer dieser blockierten Studenten.

Worte sind auf einmal kantig, zäh, nichts passt, nichts gefällt, das Hirn hakt und rattert und gibt schließlich auf. Das führt zu Frust, zu Verzweiflung, zu Minderwertigkeitsgefühlen. Dazu kommt Zeitdruck durch feste Termine, immer wieder eine neue Aufgabe, der Stapel mit halb- oder nichtgeschriebenen Texten wird größer. Angst und Druck nehmen zu. Doch woher kommt die Schreibblockade? Im Folgenden habe ich fünf mögliche Gründe (gerade aus dem Uni-Umfeld) zusammengestellt.

5 Gründe für Schreibblockaden

1. Kritik – ob angemessen oder nicht – kann uns tief treffen.

Vielleicht hängt man selbst zu sehr am Text und hat nicht genug Abstand, oder die Kritik ist nicht konstruktiv, oder der Kritiker ist regelrecht toxisch oder einfach ein absoluter Idiot.
Beispiel: Ich habe mal ein Seminar „Kreatives Schreiben“ belegt. Ziel sollte sein, das eigene Schreiben zu verbessern. In der ersten Sitzung wurde ein Essay-Thema für alle vergeben. In der zweiten Sitzung wurden sämtliche Texte von ihm vor den versammelten Studenten zerrissen. Der einzige Text, den der Dozent nicht höhnisch, abwertend und destruktiv kritisierte, stellte sich im Nachhinein als sein eigener heraus. Und war dabei nicht unbedingt gut.
Zur dritten Sitzung ging ich nicht mehr hin.

 

2. Wenn höhergestellte Personen etwas sagen, nehmen wir es eher als wahr hin.

Egal ob uns die Person nun tatsächlich hierarchisch überlegen ist oder nicht: Wenn ein Vorgesetzter, Professor, Dozent, etablierterer Kollege, scheinbar klügerer Freund, erfahrener Bekannter oder einfach nur ein Typ mit Anzug und Krawatte etwas zu uns sagt, wirkt es gleich seriöser. Und wahrer. Besonders wenn diese Person sagt, dass wir etwas nicht können.
Nehmen wir an, der Dozent klatscht das schlecht bewertete, zweiseitige Essay auf den Tisch des Studenten und sagt: „So würden Sie bei mir keine Bachelorarbeit bestehen“ oder sogar: „Das war ja nicht anders zu erwarten.“ Demütigend, überflüssig, prägend. Und durch die Hierarchie umso schlimmer. Vor allem, wenn es nur um den Stil geht und nicht um den Inhalt. Oder ihm das Ganze einfach aus anderen Gründen nicht gefällt. Wird nur schlimmer, wenn es sich bei dem Dozenten um unser (ehemaliges) Vorbild handelt…

 

3. Dauernder Vergleich mit den Texten anderer Leute macht uns fertig.

Bücher sind bearbeitet. Artikel sind bearbeitet. Selten sehen wir irgendwo eine nicht bearbeitete Rohfassung von irgendwas. Niemand schreibt immer sofort und fließend die ideale Endfassung mit den perfekten Formulierungen.
Und sich jedes Mal mit den Texten anderer zu vergleichen – vielleicht sogar noch mit der übersetzten Version eines unendlich bearbeiteten Bestsellers vom Lieblingsautor – verkrampft auf Dauer.
Stattdessen? Rohfassungen schreiben. Versuchen, in einen Schreibfluss hineinzugeraten und sich wieder packen zu lassen wie früher. Hinterher kann man immer noch streichen, verschieben und anderweitig die Ecken und Kanten glätten.

 

4. Nagende Selbstzweifel erledigen den Rest.

Ausgelöst durch einen oder mehrere der anderen Punkte. Irgendwann kommt die Abwärtsspirale: Der Drang, den eigenen Text fertig zu bekommen wird durch die Selbstzweifel zu einem noch größeren Problem. Der Kopf sagt: „Perfekt“ können wir nicht, aber wir können wenigstens noch „halbwegs gut“. Oder zumindest „okay“. Oder zumindest „irgendwie annehmbar“. Oder sind unsere Texte etwa „nicht einmal mehr lesbar“? Können wir überhaupt irgendwas, wenn wir schreiben? Können wir überhaupt noch schreiben? Irgendwann ist die sprichwörtliche Angst vor dem weißen Blatt so groß, dass gar nichts mehr geht.
Hier hilft manchmal Selbstbestechung oder Belohnung nach geschriebenem Text. Und: Erst mal einfach irgendetwas zu schreiben. Wirklich irgendetwas. Den Schreibort, die Schreibart, die Technik zu wechseln. Und vor allem: Jemand, dem ein vorgelegte Text gefällt. Wissen, dass man nicht so schlecht ist, wie ein oder zwei Menschen gesagt haben. Wissen, dass man vielleicht sogar besser ist, als der eigene Kopf einen glauben macht.

 

5. Das Gefühl, nicht kreativ, originell, gut, unterhaltsam oder interessant genug zu sein behindert uns.

Auch dagegen kann man angehen: Das Selbstbewusstsein stärken. Die Themen ändern. Die eigene Zielgruppe umdefinieren. Schreiben, was einen selbst bewegt statt sich mit Mist und Müll zu quälen.
Für Themenideen in Alltag, Bücherregal, Internet, Geschäft oder Erinnerungen wühlen. Die eigenen Interessen erforschen, sich selbst neu kennenlernen wie einen neuen Bekannten.
Kreativitätsübungen (auch nicht-schriftliche) sind generell gut, genau wie Schreibübungen. Vielleicht freies Schreiben. Ein Blog.

 

Und gegen die Schreibblockade?

Das Wichtigste ist: Nicht aufgeben. Wege finden, ins Schreiben zurück zu kommen. Loslegen mit anderen Themen. Die oben erwähnten kreativen Übungen. Jeden kleinen Erfolg feiern. Entspannter sein und nicht komplett verkrampft. Wer bereits mit der Erwartungshaltung an sein Projekt tritt, dass es wieder nichts wird, hängt erneut im Teufelskreis fest. Und aus dem müssen wir irgendwie raus.

Manchmal hilft schon ein guter Text oder eine Person, die sagt: Das ist gut. Aber bis dahin ist es unter Umständen ein steiniger, langer Weg…